Christoph Kolb: Wortverdreher
Träumer. Autor. Rumschreiber
 

Meat Loaf live

3. Mai 2013, Stuttgart, Schleyerhalle

Setlist
Runnin' for the Red Light / Life Is a Lemon
Dead Ringer for Love (Patti solo)
Dead Ringer for Love (Patti & Meat)
If It Ain't Broke, Break It
Los Angeloser
The Giving Tree
Objects in the Rear View Mirror
Out of the Frying Pan
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Bat Out of Hell
You Took the Words Right Out of My Mouth
Heaven Can Wait
All Revved Up With No Place to Go
Two Out of Three Ain't Bad
Paradise by the Dashboard Light
For Crying Out Loud
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I would do anything for love
Boneyard / All Revved Up With No Place to Go



Bevor ich zu dem eigentlichen Konzert komme, muss ich zunächst etwas zurückblicken. Mitte der Neunziger: "I would do anything for love" erreicht mein gerade 10jähriges Gehör und verzaubert es derart, dass dieses 12minütige Werk für mich bis heute das absolut Großartigste ist, das jemals unter dem Begriff "Musik" veröffentlicht wurde. Das dazugehörige Album - "Bat out of Hell II: Back into Hell" - war mein erstes Rock Album. Und es war etwas besonderes: Dieses phantasievolle Cover, diese ellenlangen und wuchtigen Songs. Obwohl ich sie erst später in ihrer Gänze begriff, haben sie mich schon immer fasziniert. Erst Jahre später habe ich andere Rock Alben für mich entdeckt (davon natürlich auch alle anderen von Meat Loaf). Dennoch: Mein Einstieg war "Back into Hell" und wahrscheinlich kann dieses Album für mich auch nichts mehr toppen, obwohl gerade Meat Loaf's Erstling "Bat out of Hell" die legendärere Scheibe ist.

Für Meat Loaf waren die beiden "Bat out of Hell" Alben - speziell das Erste - irgendwie Fluch und Segen zugleich. Segen, weil sich sein ganzer Ruhm (und auch ein sicherlich nicht zu unterschätzender Reichtum) auf diesen beiden Scheiben begründet. Fluch, weil eben keines seiner anderen (größtenteils guten) Alben gegenüber "Bat out of Hell I & II" gemessen werden konnte. Wann immer es für Meat Loaf nicht so dolle lief hat er daher den Erfolgstitel ins Rennen geschickt. Sei es mit der Liveaufnahme mit dem Melbourner Symphonieorchester (Bat out of Hell: Live with the Melbourne Symphony Orchestra), dem dritten Teil "Bat out of Hell III: The Monster is loose" (auf welchem Bat-Komponist Steinman nur durch Coversongs eingebunden war) oder eben jetzt als Aufhänger seiner Abschiedstour. Aber natürlich muss man auch fairerweise dazusagen, dass es wohl keinen besseren Grund als eine Abschiedstournee gibt um "Bat out of Hell" komplett darzubieten.

Für seine Abschiedstournee besucht Meat Loaf auch wieder Deutschland und so hatte ich das Glück den musikalischen Helden meiner Jugend, den Interpret des genialsten Songs aller Zeiten ein erstes - und leider letztes - Mal live zu erleben. Wobei die Freude auch ein klein wenig getrübt war, schien Meat Loaf doch in den letzten Jahren seinen einst gewaltigen Stimmumfang deutlich eingebüßt zu haben (ich verweise hier mal auf die "3 Bats live" DVD aus dem Jahre 2007). Auch die Tatsache, dass Big Meat kurz vor dem Stuttgart Konzert krankheitsbedingt einige England Termine absagen/verschieben musste, stimmte mich nicht gerade optimistisch. Die Schleyerhalle erwies sich zwar nicht als ausverkauft, aber immerhin als gut gefüllt. Und der Bühnenaufbau machte klar, dass keine Vorband zu ertragen war.

Pünktlich um 20:00 Uhr versank die Halle im Dunkel und zum Einlauf der Band wurde der alte Beatles-Song "When I'm 64" durch die Boxen gejagt. Meat nimmt sein Alter also humorvoll. Doch das Eröffnungsdoppel "Running for the red light / Life is a Lemon" durchbricht mit kompromissloser Härte den Beatles-Schunkler und der Maestro kommt mit fast manischen Blick auf die Bühne und erweist sich bei "Runnin'..." erstaunlich stimmgewaltig. Während "Life is a Lemon" verschwindet Meat allerdings von der Bühne. Seine bewährte Duettpartnerin Patti Russo singt den Song alleine zu Ende, ehe die Lichter ausgehen und die Ganze Band die Bühne verlässt. Hää? Das Publikum in der Halle ist ähnlich verwirrt wie ich und es bleibt auch ein eisiges Schweigen, als die Band zwei Minuten später zurück kommt und Patti den alten Kracher "Dead ringer for love" alleine singt. Der Applaus nach Ende des Songs ist verhalten und Rufe nach Meat Loaf werden laut.

Glücklicherweise kommt Meat zurück auf die Bühne. "Sorry for that" raunt er knapp ins Mikro. Was die paar Minuten hinter der Bühne war, wird nicht erwähnt. Stattdessen verlangt Meat, das "Deadringer for love" wiederholt wird. Bei dem Duett zeigt sich dann aber, das Meat Loaf nicht in bester Form ist. Seine Bewegungen wirken langsam und müde. Sein eines Bein zieht er humpelnd nach, was wohl auf die Knieoperation vor der Tour zurück zu führen ist. Auch stimmlich ist es nicht das Gelbe vom Ei: Meat haut mehrfach daneben und wirkt abgehackt. Gerade im direkten Vergleich mit Patti Russo zieht Big Meat hier eindeutig den Kürzeren. Auch bei den nachfolgenden Liedern "If it ain't broke break it", "Los Angeloser" und "The giving tree" wird es nicht wirklich besser. Meat überlässt Teile der Songs dann auch immer entweder Patti oder seiner Begleitband. Doch einen ersten Wendepunkt gibt es mit "Objects in the rear view mirror". Bei dieser genialen Ballade umschifft Meat zwar einige schwierige Gesangstellen, legt aber soviel Gefühl in den Song, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Das genaue Gegenteil gibt es bei "Out of the frying pan" im Anschluss. Meat und die Band rocken was das Zeug hält. Danach heißt es aber erstmal: 15 Minuten Pause.



Der erste Teil der Show war also eher mäßig. Doch während ich in Gedanken meinen Konzertbericht schon mit den Worten "War trotzdem schön, ihn nochmal gesehen zu haben" abschloss, sollte sich das Blatt im zweiten Teil der Show wenden. Denn jetzt folgt "Bat out of Hell" am Stück. Und ob es nun an den euphorischen Reaktionen des Publikums liegt, ob Meat sich im ersten Teil des Konzerts bewusst zurück genommen hat oder ob die Songs vielleicht wirklich die viel beschworene Magie haben: Hier sah das Stuttgarter Publikum einen Meat Loaf in Hochform. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Stuttgart sieht hier nicht den Meat Loaf von 1977 oder der 1980er, aber garantiert in einer Form, wie man ihn sicher schon Jahre nicht gesehen hat. Zwischen den einzelnen Songs wird auf der gigantischen Videowand im Bühnenhintergrund Interviews mit den "Bat" Beteiligten (namentlich: Komponist Steinman, Produzent Rundgreen, Sängerin Karle de Vito, Sängerin Ellen Foley und Meat himself) gezeigt, ehe der jeweilige Song folgt. "Bat out of Hell" bringt den Saal zum Kochen, während "You took the words right out of the mouth" zum Mitsing-Lied für die Halle wird. "Heaven can wait" zeigt Meat Loaf dann wieder extrem gefühlvoll. Bei "All revved up with no place to go" darf ordentlich gerockt werden, während "Two out of threen ain't bad" den Mitsingfaktor in der Halle nach oben schraubt. "Paradise by the dashboard light" erweist sich wie immer als der Partysong schlechthin, was natürlich auch daran liegt, dass Meat und Patti ein sauber aufeinander eingespieltes Team sind. Das Highlight folgt aber beim letzten Song des Albums. Meat Loaf bedankt sich bei allen Fans für ihre Treue und performt "For cryin' out loud" dann derart intensiv und gefühlvoll, dass der ganze Saal wie versteinert folgt - und hinterher mit tosendem Applaus honoriert. Hier hat Meat gezeigt, warum er eine Legende ist. "I would do anything for love" - leider stark gekürzt - wird hinterhergeschoben. Mit dem Doppler "Boneyard / All revved up with no place to go" (inkl. ausgiebigen Solo-Einlagen des Neverland Express) rockt Meat ein letztes Mal gemeinsam mit dem Publikum ab. Zufrieden, aber sichtlich erschöpft wankt der Maestro mit einem letzten wehmütigen Blick von der Bühne.

Fazit: Die erste Hälft des Konzerts riss nicht gerade vom Hocker, doch im "Bat out of Hell" Teil lief Meat zu absoluter Höchstform auf und brachte Stuttgart zum Kochen. Man merkte Meat an, dass er nicht ganz in Hochform war und das Alter eben auch vor einer Legende nicht halt macht. Aber dennoch hat er in Stuttgart demonstriert, warum er für Jahrzehnte ein Publikum an sich binden konnte. Humor, Gefühl, Power und eine Stimme, die eine Halle noch immer in Ehrfurcht versinken lassen kann - Danke für den tollen Abend. Wir werden dich vermissen.

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Zitat:

Some days I pray for silence, Some days I pray for soul, Some days I just pray to the god of sex and drums and rock 'n' roll, Some nights I lose the feeling, Some nights I lose control, Some nights I just lose it all when I watch you dance and the thunder rolls...


 
...and the sky is the limit!