Christoph Kolb: Wortverdreher
Träumer. Autor. Rumschreiber
 

KISS live

13. Mai 2017, Frankfurt, Festhalle

Setlist
Deuce
Shout it out loud
Lick it up
I love it loud
Firehouse
Shock me
- Guitar Solo
Flaming youth
- Bass Solo
God of thunder
Crazy crazy Nights
War Machine
Say yeah
Psycho Circus
Black Diamond
Rock and Roll all nite
-
I was made for lovin' you
Detroit Rock City

Der Zirkus ist in der Stadt und von allen Ecken strömt das Publikum herbei. Europa- und Deutschlandtouren von Kiss sind nach wie vor eine Seltenheit, auch wenn die Band in den letzten Jahren häufiger zu Gast war, als in den drei Jahrzenten Bandgeschichte davor.

Ein neues Album gibt es nicht zu bewerben. Daher ist ein Kiss Konzert eigentlich so etwas wie "Dinner for one" an Sylvester. Man weiß genau, was kommt: Gene spuckt Feuer, Gene fliegt, Gene spuckt Blut, Paul fliegt ins Publikum, Tommy lässt in seinem Gitarrensolo Funken sprühen und Erics Drumkit erhebt sich in die Lüfte. Im Gegensatz zu "Dinner for one" weiß man nur nicht, wann was kommt.

Ebenso präsentiert sich die Setlist: "Flaming youth" ist die Überraschung; "War Machine" und "Psycho Circus" gibts nicht immer und mit "Say yeah" ist genau ein Titel aus diesem Jahrtausend dabei. Der Rest ist ein felsenfest gemeißeltes Greatest-Hits-Set. Aber anscheinend ist es wohl genau das, was große Teile des Publikums wollen: Keine Überraschungen, sondern altbewährtes.

Vor Kiss dürfen sich die Briten von RavenEye beweisen. Kerniger, bluesiger Heavy Rock, der von dem Trio sauber vorgetragen wird. Opening Act für eine Institution wie Kiss ist keine leichte Sache, aber die Band hat überzeugt. Am Ende der Show gab es von einem ordentlichen Teil des Publikums mehr als Höflichkeitsapplaus. Wir haben uns nach dem Konzert spontan dazu entschieden, das Debütalbum zu erwerben.


Um Viertel nach Neun hieß es dann aber: "Allright Stuttgart. You wanted the best, you got the best. The hottest Band in the World: KIIIIISSSS". Vorhang fällt, Feuersalven werden abgefeuert und knackig mit Gene Simmons Schwanznummer "Deuce" gestartet. Direkt nachgelegt wird "Shout it out loud", das vom Publikum lautstark mitgesungen wird. "Lick it up" ist Hit Nummer Drei im Reigen, zeigt aber den einzigen wirklichen Wermutstropfen von Kiss 2017: Paul Stanleys Stimme ist im Eimer. Leider.
Bevor das Gemecker losgeht: Paul hat nach wievor eine unglaubliche Bühnenpräsenz, ist ein hervorragender Gitarrist und es war wohl ihm zu verdanken, dass Kiss überhaupt so groß werden konnten. Aber 43 Jahre Rock n Roll sind nicht spurlos vorrübergegangen. Gene Simmons, Eric Singer und Tommy Thayer kaschieren das Ganze ein bisschen, aber bei einer Nummer wie "Lick it up", bei der Paul im Vordergrund steht, hört man den Verschleiß eben deutlich. Und es dürfte vielleicht auch erklären, warum überraschend viele Gene-Simmons-Songs in der Setlist auftauchen.


Doch davon mal abgesehen: Kiss as Kiss can. Der Liveauftritt war eines der besten Konzerte, die ich je besucht habe. Highlight der Show war für mich Paul Stanleys Flug in die Hallenmitte. Wir hatten uns absichtlich etwas weiter weg positioniert und umso schöner war es, für einen Song lang Paul aus der Nähe zu sehen. Über "Psycho Circus" - für mich keinen Deut schlechter als jeder Hit aus den Siebzigern - habe ich mich sehr gefreut. Auch wenn dafür "Love Gun" überraschenderweise im Hitreigen fehlt. Aber angesichts von Pauls stimmlicher Verfassung wohl auch besser so.


Fazit: Kiss sind auch 2017 noch ein Erlebnis. Und es ist erfreulich, dass es die Band geschafft hat, ganze Generationen zu verbinden. Ich war mit meinen 32 Lenze bei weitem nicht der Jüngste im Publikum. Auf Paul Stanleys Frage hin, wer zum ersten Mal auf einem Kiss Konzert ist, gingen überraschend viele Hände nach oben. Gerade für uns Zu-spät-Geborene war es schön, nicht nur von dieser Rocklegende zu hören, sondern sie tatsächlich auch zu erleben.
Angesichts von Pauls Stimme wäre vielleicht aber auch der Zeitpunkt gekommen, die Plateauschuhe an den Nagel zu hängen. Nochmal ein starkes Album, eine fette Abschiedstour und danach Rocker Rente? Na Jungs, wie klingt das?


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Zitat:

You wanted the best, you got the best. The hottest Band in the World: KISS.


 
...and the sky is the limit!