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Jason Dark - Geisterjäger John Sinclair: Das Höllenkreuz

erschienen im Bastei Lübbe Verlag

Ein Grund zum Jubeln: Der Geisterjäger begeht sein 2000. Abenteuer. Nun, zumindest in der regulären Serie. Zählt man all die Sonderbände, Taschenbücher und die Abenteuer aus der Reihe Gespenster-Krimi dazu nähert man sich fast schon der 2500.

Über 40 Jahre lang zeichnete sich der Kölner Autor Helmut Rellergerd unter dem Pseudonym Jason Dark fast im Alleingang für die Abenteuer von John Sinclair verantwortlich. Heute ist Geisterjäger John Sinclair - neben Perry Rhodan - die letzte, wirklich große Romanheftreihe. Der Grund für den langlebigen Erfolg ist mit Sicherheit die Zugänglichkeit zur Serie. Auch wenn die Dämonenwelt mittlerweile recht detailliert ist und John und seine Freunde eine beeindruckende Vita haben, so kann sich der Leser doch stets den aktuellen Roman schnappen und damit seine Freude haben. Der Scotland-Yard-Inspektor John Sinclair ist ein Auserwählter des Lichts gegen dämonische Mächte. That's all. Mehr muss man nicht wissen.

Im Gegensatz zu jeder anderen Romanheftserie war Jason Dark jahrelang alleine verantwortlich für die Reihe. Und vor dem Lebenswerk des Autors, der zeitweise 52 (!) Romanhefte und 12 (!) Taschenbücher pro Jahr veröffentlichte, kann man nur den Hut ziehen. Doch im letzten Jahrzehnt war Geisterjäger John Sinclair leider nicht mehr der große Lesegenuss. Dark hat über die Jahre nicht nur einen eigenwilligen Schreibstil entwickelt; auch die Ideen gingen ihm so langsam aus. Der Geisterjäger vernichtete Dämonen sozusagen routiniert nach Dienstvorschrift. Wer kann es dem Autor verdenken, dass es nach über 1500 (!) Abenteuern eben nicht mehr so gut läuft wie früher? Der Bastei Lübbe Verlag traf daher, nicht nur in Anbetracht von Darks bevorstehender Rente, die richtige Entscheidung: Seit Band 1851 wurde neben Jason Dark ein Autorenteam aufgebaut, welches die Serie in absehbarer Zeit komplett übernehmen wird. Aber den 2000. Band wollte sich Dark dann doch nicht nehmen lassen. Und hier ist er: "Das Höllenkreuz".

John Sinclair wird von Matthias, dem Diener von Luzifer, in die Dimensionswelt Aibon entführt. Dort wird er von Matthias auf das Rad der Zeit gespannt und sieht sowohl eine schreckliche Vision aus der Vergangenheit als auch seiner Zukunft. Matthias und Luzifer haben eine Waffe, mit der sie den Geisterjäger endgültig vernichten wollen: Ein Höllenkreuz, dem selbst die weißmagische Energie von Johns Kreuz nichts entgegen zu setzen vermag. Glenda Perkins und Suko schaffen es, ebenfalls nach Aibon zu reisen. Können die Drei gemeinsam Matthias und den Leibhaftigen aufhalten?

"Das Höllenkreuz" ist der erste Band eines Dreiteilers. Die beiden Folgeromane wurden jedoch nicht von Jason Dark geschrieben. Und nach der Lektüre des Romans bedauert man das auch nicht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: "Das Höllenkreuz" ist kein schlechter Roman und weiß sogar mit einem richtig guten Cliffhanger zu enden. Aber er ist typisch für Jason Darks Schaffen im letzten Jahrzehnt: Irgendwie Dienst nach Vorschrift. Eine 'nette' Geschichte, leidlich spannend, aber nicht wirklich überraschend. Und das ist für einen Jubiläumsband einfach zu wenig.

Ich will gar nicht über Jason Darks eigenwillige Formulierungen eingehen. Die kriegt man aus dem 71jährigen Autor vermutlich eh nicht mehr raus. Vielmehr sind es die zahlreichen Klischees: John hat (mal wieder) sein größtes Abenteuer zu bestehen und sieht lange sein letztes Stündlein geschlagen. Suko darf (mal wieder) für fünf Sekunden die Zeit anhalten, um John im letzten Moment zu retten. Matthias darf (mal wieder) fast triumphieren. Die Erhöhung der üblichen 65 auf 96 Seiten half da auch nichts. "Das Höllenkreuz" ist okay, aber mehr auch nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass die Folgeromane spannender werden.

Alles in allem ein durchschnittliches Jubiläum, dass sich der geneigte Freund von John Sinclair aber natürlich nicht entgehen lassen kann. Von meiner Seite bleibt nur die Hoffnung, dass sich Dark nun endlich zur Ruhe setzt und das Autorenteam die Serie mit frischem Schwung weiterführt. Ganz knapp 4 Sterne.


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  - Erasmus von Rotterdam



 
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