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Douglas Adams / Gareth Roberts - Shada

erschienen im Cross Cult Verlag, ISBN: 978-3864254444

"Shada" sollte der abschließende Sechsteiler der Doctor-Who-Staffel 1979 werden. Durch einen Streik wurde der Mehrteiler jedoch nur teilweise gedreht und nicht vollendet. Es gibt zwar eine Videorekonstruktion in welcher Tom Baker die fehlende Szenen nacherzählt, aber als Filmgenuss kann man das Ganze leider nicht sehen. Generell halte ich von den Rekonstruktionen verschollener oder nicht vollendeter Doctor Who Folgen nicht viel. Das ist sicher für einige Fans reizvoll, aber ich schätze ein geschlossenes Werk deutlich mehr. Und dafür gibt es glücklicherweise diesen Roman.

Die Geschichte und das Original-Drehbuch stammt von Douglas Adams, der im gleichen Zeitraum seine geniale SciFi-Satire "Per Anhalter durch die Galaxis" schrieb und sich alleine mit diesem Werk einen Platz unter den großen SciFi-Autoren der jüngeren Zeit schuf. Ein Ruf den er angesichts eines verhältnismäßig überschaubaren Gesamt-Werkes bis heute nicht verloren hat. Zu genial ist eben das Wenige, das er geschrieben hat. Es verwundert daher auch nicht wirklich, dass sein Name groß auf dem Cover prangt.

Geschrieben wurde diese Adaption von Gareth Roberts, der - zumindest im Doctor Who Kosmos - auch kein Unbekannter ist. Als Autor verfasste er Hörspiele, Romane und Drehbücher für die Serien-Wiederaufnahme ab 2005 (u.a. "Der Shakespeare Code" und "Der Untermieter"). Zudem stammt so ziemlich jede zweite bis dritte Episode des Who-Spin-Offs "The Sarah Jane Adventures" von ihm. Roberts' eigene Geschichten sind mit einem ähnlich absurden Humor gespickt, wie ihn Adams gerne verwendete. Von daher verwundert es nicht, dass er als Autor für "Shada" herangezogen wurde.

Zur Geschichte: Professor Chronotis, ein alter Freund des Doktors, ist ein Timelord in seiner letzten Regeneration. Die vergangenen Jahrhunderte hat er heimlich als Dozent der Universität Cambridge verbracht, ohne das es irgendjemand großartig aufgefallen wäre. Doch der Professor hütet ein Geheimnis: Er hat das Buch "Das Verehrungswürdige und uralte Gesetz von Gallifrey" in seinem Besitz. Und hinter diesem ist der machthungrige Skagra her, da das Buch das Geheimnis des Planeten Shada enthält. Das Geheimnis von Shada? Als ob ich das hier verraten würde...

Ohne all zu viel Doctor Who Romane gelesen zu haben, so kann ich doch behaupten, dass "Shada" eine Besonderheit ist. Zum einen nimmt sich hier ein Autor der Geschichte eines anderen Autors an. Zum anderen merkt man auch im Aufbau, dass die Geschichte ursprünglich dafür gedacht war, als Fernsehmehrteiler erzählt zu werden. Der Roman erstreckt sich über etwas mehr als 400 Seiten, die in 6 gleich große Teile untergliedert wurden. Wie für die klassische Who Serie üblich endet natürlich jeder Teil außer dem letzten mit einem reißerischen Cliffhanger. Die Kapitel innerhalb der sechs Teile sind kurz und sind vermutlich leicht verändert die einzelnen Szenen der jeweiligen Episode. Dadurch erinnert das Buch mehr als jeder andere Roman an die Fernsehserie und liest sich ebenso schnell wie kurzweilig. Ich habe mir den Spaß gegönnt, das Buch in sechs Tagen zu lesen... also quasi eine Episode am Tag.

Douglas Adams hat einen unnachahmlichen Stil. Und auch wenn der ganze Roman homogen geschrieben ist, fällt dem Kenner auf, welche Stellen wohl unbehandelt vom Original-Drehbuch übernommen wurden und an welchen Stellen Roberts seine eigene Note hinzugefügt hat. Roberts hat glücklicherweise nicht den Fehler gemacht, Douglas Adams imitieren zu wohlen, sondern schreibt in seinem eigenen Stil. Aber da Roberts ein ebenfalls talentierter Autor ist und sein eigener Humor wunderbar mit dem von Adams harmoniert, ist das Ergebnis erstklassig geworden. "Shada" ist eine herrlich überdrehte Geschichte, die flott geschrieben und kurzweilig zu lesen ist.

Einen Vorgeschmack gibt bereits der erste Absatz des Buches:
"Im Alter von fünf Jahren entschied Skagra kategorisch, dass Gott nicht existiert. Die meisten Wesen im Universum reagieren auf diese Erkenntnis entweder erleichtert oder verzweifelt. Skagra dachte jedoch: Moment mal das heißt, da ist eine Stelle frei."
In diesem amüsanten Stil geht es weitestgehend das ganze Buch über weiter. Natürlich ist das nicht jedermanns Sache, aber wenn man ein Buch erwirbt, auf welchem der Name Douglas Adams prangt, dann weiß man in der Regel, worauf man sich einlässt. Für mich war es eine der besten Bucherwerbungen des Jahres und wird mit genügend Abstand sicherlich noch das ein oder andere Mal genossen.

Fazit: Wer diese Webseite etwas genauer durchstöbert hat, wird natürlich schon gemerkt haben, dass Douglas Adams für mich einer der Größten ist und leider viel zu früh von uns ging. Als Fan war es schön, noch einmal eine Geschichte von ihm lesen zu können. Dass es sich um ein Doctor Who Abenteuer handelte, war natürlich das Sahnehäubchen. Roberts wird den hohen Anforderungen gerecht und liefert ein flott geschriebenen und kurzweiligen Roman ab. Für alle, die Douglas Adams und/oder besonders humorvolle Doctor Who Abenteuer lieben eine klare Empfehlung. Daher vergebe ich 5 von 5 möglichen Sternen.


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