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Chrissy Lazemare - Überlieferungen vom Rand der Zeit

erschienen im Sarturia Verlag, ISBN: 978-3940830166

Ich gebe es zu: Meistens bin ich ein undankbarer Leser. Zumindest wenn es neue Autoren betrifft. Ja, das klingt unfair, aber als zahlender Leser zieht es mich größtenteils doch zu bewährten Autoren. Eine Ausnahme sind für mich Kurzgeschichtensammlungen. Vermutlich deswegen, weil es mir auf sehr kurzem Leseweg erlaubt, herauszufinden, ob mir die Schreibe und die Geschichten eines Autors liegt, oder nicht. Das Hineinschnuppern in "Überlieferungen vom Rand der Zeit" hat mir gezeigt, dass die Autorin Chrissy Lazemare meinen Geschmack trifft.

"Überlieferungen vom Rand der Zeit" enthält eine stattliche Anzahl von Geschichten. Manche sind sehr kurz, andere über ein Dutzend Seiten lang. All diese Geschichten verbindet jedoch ein gemeinsames Element: Ein "Happy End" im eigentlichen Sinne haben sie nicht. Die junge Autorin aus Hamburg zieht ihre Leser mit einem ganz eigenen Schreibstil in ihre Welt. Eine Welt voller Melancholie, Seelenqual, Traurigkeit und Verzweiflung. Und doch findet sich in all der Düsternis der Geschichten immer auch etwas Schönes.

Dunkelschön. Das ist vermutlich das Wort, mit dem man diese Geschichten am besten beschreiben kann. Sie sind sicher keine leichte Kost und als Page-turner würde ich diese Sammlung auch nicht bezeichnen. Eher sollte man sich in Abständen immer wieder eine Geschichte gönnen, und auf sich wirken lassen. Der Schreibstil von Chrissy Lazemare ist etwas Besonderes. Mit scharf geschliffenen Worten und einer Rythmik, die schon ins Lyrische geht, wirkt "Überlieferungen vom Rand der Zeit" etwas aus der Zeit gefallen. In anderen Besprechungen wurden die Geschichten von Edgar Allan Poe und Franz Kafka genannt. Ich möchte auch noch den Altmeister Lord Byron in den Raum werfen. Chrissy Lazemare schreibt so, wie es vielleicht die drei Genannten machen würden, wenn sie im 21. Jahrhundert leben würden. Für eine junge Autorin sind solche Vergleiche ein mehr als beachtliches Kompliment.

Fazit: Dieser Band ist kein leichtes Lesen. Die Geschichten erfordern, sich ihnen ganz hinzugeben und in die Gefühle der Protagonisten einzutauchen. Wer jedoch Gefallen daran findet, erwirbt mit "Überlieferungen am Rand der Zeit" ein beachtliches Werk. Ich bin schon sehr gespannt, ob die Autorin mit ihrem Debütroman die Erwartungen, die nach dieser Kurzgeschichtensammlung entstanden sind, erfüllen kann. Alle fünf Sterne.
PS: Dasselbe gilt auch uneingeschränkt für den zweiten Band.


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Zitat

Ich glaube, einer der Gründe, weshalb Steven Spielberg und ich so erfolgreich gewesen sind, ist der, dass wir Filme mögen. Wir gehen gerne ins Kino. Wir mögen Filme, und wir wollen Filme machen, die denen ähneln, die wir selbst mögen. Wir wollen die Zuschauer unterhalten. Wir wollen sie überraschen, sie umhauen. Wir wollen, dass sie das Kino verlassen und sagen: "Wow, das war phantastisch, das hat mich wirklich bewegt." Darin liegt der ganze Spaß.
  - George Lucas



 
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