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J.K. Rowling, J. Thorne, J. Tiffany - Harry Potter und das verwunschene Kind

erschienen im Carlsen Verlag, ISBN: 978-3551559005

Harry Potter war und ist ein Phänomen. Mit ihrer Heptalogie rund um den Zauberlehrling schuf die britische Autorin Joane K. Rowling ein literarisches Meisterstück. Der Lohn waren 450 Millionen verkaufte Bücher und damit der größte Bucherfolg des neuen Jahrtausends.

Das Jahr 2016 schickt sich an, das Comeback-Jahr für den sympathischen Zauberer bzw. dessen magischer Welt zu werden. Mit Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind kommt ein Film heraus, der in dem bekannten Buchuniversum spielt und eventuell zu einer Trilogie anwächst. Doch auch der Zauberer kam selbst zurück. In einem Theaterstück namens Harry Potter and the cursed child. Ein Tag nach der Premiere wurde das Theaterskript in Buchform veröffentlicht und schon jetzt einer der größten Erfolge der letzten Jahre.

Doch gelang es J. K. Rowling mit diesem inoffiziell achten Teil, die Faszination der Buchreihe wieder zu beleben? Die Antwort darauf ist ein ganz eindeutiges... jein.

Der Sohn von Harry Potter, einer Legende der Zaubererwelt, zu sein, ist nicht leicht. Albus Severus Potter ist es leid, ständig mit ihm verglichen zu werden. Zumal er das Talent für Quidditch nicht geerbt hat und zu allem Überfluss in Slytherin landet. Es ist auch nicht leicht, der Sohn von Draco Malfoy zu sein. Den über Scorpius Malfoy wird geunkt, dass er vielleicht gar nicht Dracos Sohn ist, sondern der Nachkömmling von Du-weisst-schon-wem.

Die beiden ungleichen Jungen freunden sich während ihrer ersten Zugfahrt nach Hogwarts an, sehr zum Leidwesen ihrer Väter. Aber ihre Freundschaft macht das Leben in einer Welt von hohen Erwartungen und Ablehnung erträglich. Zu Beginn des vierten Schuljahres belauscht Albus ein Gespräch zwischen seinem Vater und Amos Diggory, dem Vater von Cedric, der einst im trimagischen Turnier starb. Amos bittet Harry, mithilfe des Zeitumkehrers zurückzureisen und seinen Sohn zu retten. Harry weigert sich. Albus sieht eine Möglichkeit sich zu beweisen. Mithilfe von Scorpius und Cedric's Cousine Delphi stiehlt er einen Zeitumkehrer aus dem Zaubereiministerium und reist zum Trimagischen Turnier zurück. Es gelingt ihnen, Cedric zu retten. Doch damit haben die drei eine Kette verhängnisvoller Ereignisse in Kraft gesetzt...


Das Buch bzw. das Theaterstück hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Fangen wir zunächst mit den positiven Seiten an. Es ist schön, eine weitere Geschichte aus Joanne K. Rowlings magischer Welt lesen zu können. Und als Fan saugt man auch mit Interesse auf, welche Wege das Leben Harry, Ron, Hermine, Draco und all die anderen bereithielt. Ich möchte nicht allzu viel verraten, aber die Lebenspfade sind schlüssig zu den Charakteren. Es ist ja wohl klar, dass Hermine Karriere gemacht hat... und Ron und Harry nicht so wirklich. Ebenso viel Spaß macht es, ihren Kindern bei ihrem Abenteuer zuzuschauen. Albus und Scorpius sind ein herrlich ungleiches Paar und angesichts der Vergangenheit ihrer Väter nur allzu glaubhaft von der Welt in Schubladen gesteckt worden. Die Dialoge des Stücks sind ganz Rowling-like warmherzig, nachvollziehbar und natürlich sehr humorvoll.

Ich bin ein Fan von Zeitreise Geschichten. Harry Potter und das verwunschene Kind bedient sich natürlich einer alten Masche: Zeitreisen laufen nie so ab, wie sie der Zeitreisende plant. Aus der Zeitreise zieht das Buch seine besten aber auch schwächsten Momente. Die besten Momente sind die, in welcher jede Änderung der Vergangenheit für katastrophale Entwicklungen verantwortlich war und erhebliche Auswirkung für die Gegenwart hatte. Die schwächsten Momente sind dann diejenigen, die sich mit der Zeitreise selbst beschäftigen. Rowling hat in Harry Potter und der Gefangene von Askaban den Zeitumkehrer eingeführt, verwendet ihn in dieser Geschichte jedoch ganz anders. Das ist ein Fauspax, der hätte vermieden werden können.

Die größte Schwachstelle des "Buches" ist dann aber seine Erzählform. Rowling antwortete in einem Interview auf die Frage, warum sie ein Theaterstück statt einem Roman favorisiert hatte, dass nur das Medium Theater der Geschichte gerecht würde. Nun, da wage ich Frau Rowling zu widersprechen. Die Dialoge, wie bereits erwähnt, sind ganz typisch für die Romane. Die schalen Regieanweisungen sind es nicht. Hätte man die Geschichte novellisiert, dann wäre sie um einiges stärker. Rowlings spannender, humorvoller und dramatischer Erzählstil fehlt an allen Ecken und Enden. Die Sprunghaftigkeit mancher Kapitel stören den Lesefluss darüberhinaus sehr. Die eigentliche Handlung selbst ist unterhaltsam, aber es beschleicht einen das Gefühl, dass man mehr aus dieser Geschichte hätte herausholen können.

Fazit: Licht und Schatten liegen bei dieser Fortsetzung nah beeinander. Letzten Endes überwiegen nach meiner Meinung aber dann doch die positiven Sachen. Dennoch ist es von den 8 Harry-Potter-Büchern das Schwächste. Mit Fanbonus vergebe ich vier von fünf Sternen.


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Zitat

Wenn ich ein wenig Geld habe, kaufe ich Bücher; und wenn ein wenig übrig ist, kaufe ich Essen und Kleidung
  - Erasmus von Rotterdam



 
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