Christoph Kolb: Wortverdreher
Träumer. Autor. Rumschreiber
 

Leseproben


Niemand sollte die Katze im Sack kaufen (was sowieso ein schwieriges Unterfangen wäre, was jeder bestätigen kann, der Katzen nicht nur dem Sehen nach kennt). Daher gibt es hier Ausschnitte aus einigen, meiner bisher veröffentlichten Geschichten.



Leseprobe aus der Geschichte "Das Zeitportal"

„Schatz, ist das nicht fantastisch?“, meinte er strahlend. „Ein Mensch aus der Vergangenheit. Sie kann uns sehen.“
Ehe Astrid etwas sagen konnte hatte der Kahlköpfige ihre Hand ergriffen und schüttelte sie.
„Butterbaum mein Name. Alfred Butterbaum“, stellte sich der Mann mit der Glatze vor. Er deutete auf die Frau, zu der er kurz zuvor noch gesprochen hatte. „Und das ist meine Frau.“
Butterbaums Frau schien es überhaupt nicht zu gefallen, dass ihr Mann sich mit Astrid unterhielt. Sie zischte ihrem Gatten irgendetwas zu, dass alles andere als freundlich klang.
„Astrid“, brachte sie schließlich hervor. „Astrid Müller.“
Herr Butterbaum rümpfte kurz seine Nase und seine Mimik drückte Enttäuschung aus. Offenbar hatte er die Hoffnung gehegt, Astrid wäre eine große, historische Persönlichkeit gewesen. Doch ihr Name schien ihm nichts zu sagen. Irgendwie schmerzte es Astrid, dass sie wohl keinen allzu großen Eindruck in der Weltgeschichte hinterlassen würde. Sie tröstete sich jedoch damit, dass Butterbaum nur einfach nichts von ihr gehört hatte.
„Wissen Sie was mich an den Reisen immer gestört hat? Man sieht so viele interessante Menschen und möchte sie einfach bis ins Kleinste ausfragen. Wie das denn so war mit Autos, Wasserduschen und elektrischen Küchen. Aber nein, man könnte ja die Vergangenheit beeinflussen. Komisch, dass sie uns überhaupt wahrgenommen haben. Wahrscheinlich ist das Besser-Feld genauso fehlerhaft wie das Zeitportal. Wirklich kein guter Veranstalter.“
„Besser-Feld?“
„Eigentlich ist es nur eine Abkürzung für ‘Ich-habe-gerade-etwas-Besseres-zu-tun-als-auf-euch-zu-achten-Feld‘. Aber das klingt etwas umständlich, nicht wahr?“
Butterbaum wartete keine Antwort ab. Ebenso wenig reagierte er auf seine Frau, die begonnen hatte, an seinem Ärmel zu ziehen.
„Eine Schutzvorrichtung bei Zeitreisen. Es nutzt die typische Ignoranz der Menschen um sie von Zeitreisenden abzulenken. Sie vertiefen sich dann in das was sie gerade tun und halten es für ungeheuer wichtig. Aber bei Ihnen hat es wohl nicht funktioniert.“
Er hielt eine Sekunde inne.
„Oder sie hatten wirklich gerade nichts Besseres zu tun.“
Butterbaums Frau versuchte noch immer vergeblich, ihren Gatten davon abzubringen, sich weiter mit Astrid zu unterhalten. Oder zumindest das was Butterbaum als Unterhaltung betrachtete, denn eigentlich redete er nur auf Astrid ein.
„Wissen Sie, eigentlich wollten wir uns ja die Schlacht bei Waterloo anschauen. Oder den dritten Weltkrieg. Aber daran war nicht zu denken. Alles ausgebucht. Schon seit Jahren. Lustig, nicht? Ausgebuchte Vergangenheit, ha ha.“
Butterbaum lachte über seinen eigenen Scherz bevor er mit seinem Redeschwall fortfuhr, der auch nicht dadurch unterbrochen wurde, dass seine Frau versuchte, ihn von Astrid wegzuziehen.
„Also haben wir uns gesagt ‘Komm, nehmen wir doch die 10er‘. Da waren noch Plätze frei und allzu teuer war es auch nicht. War eben nicht das interessanteste Jahrzehnt. Aber es gab ein paar schöne Terroranschläge in dieser Zeit. Gut, dass wir letztlich nur durch den Schwarzwald gewandert sind war nicht unbedingt das, was wir uns vorgestellt haben. Aber wie ich zu meinem Schatz schon gesagt habe, durfte man damals, also jetzt, immerhin noch in die Wälder reingehen, und…“


Zitat

...und den Bewohnern des Planeten Erde war durchaus bewusst, dass ihre Zivilisation dem Untergang geweiht war. Es ist 5 vor 12 war eine gängige Analyse. Die meisten Wesen im Universum reagieren auf den Untergang ihrer Zivilisation wahlweise mit Freude, Verzweiflung oder Panik. Anders die Bewohner des Planeten Erde. Diese meinten: "Also, können wir noch 5 Minuten Party feiern, ja?"...
  - "Chronik der Galaxie, Bd. 723"



 
...and the sky is the limit!