Christoph Kolb: Wortverdreher
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Star Trek: Discovery (Pilot)

Okay, strenggenommen ist dies hier kein Filmtipp, sondern die Besprechung zu den ersten beiden Episoden von "Star Trek: Discovery". Aber hey, für eine "Serientipp" Rubrik schaue ich ohnehin zu wenig fern, und - verdammt noch mal - es ist Star Trek. Das erste Mal seit zwölf Jahren, seit der unrühmlichen Absetzung der letzten Serie "Enterprise" nach nur vier Staffeln, gibt es wieder neues Trek Futter für die kleine Leinwand. Grund genug, eine Ausnahme in der Filmtipp-Rubrik meiner bescheidenen Webseite zu machen.

"Star Trek: Discovery" ist alleine schon aus Produktions-Umständen eine Neuerung: der nunmehr sechsten Serie ging eine längere Pause voraus, nachdem vier Star Trek Serien von 1987 bis 2005 hinter- und teilweise paralell zueinander liefen. Die Ära von Produzent Rick Berman, dem Nachfolger von Star Trek Schöpfer Gene Roddenberry, ist vorbei. Zwar tummeln sich im Autoren- und Produzentenstab ein paar bekannte Namen vergangener Trek Abenteuer, wie etwa Joe Menosky, Nicholas Meyer, Bryan Fuller usw., aber letztendlich steht ein komplett neues Produktionsteam hinter "Star Trek: Discovery". Das, und der Umstand, dass sich das Fernsehen aufgrund von HBO, Netflix und Co. im letzten Jahrzehnt verändert hat, lässt den Anschluss an die neuen Serie nicht so nahtlos erscheinen, wie es noch die Vorgänger "Deep Space Nine", "Voyager" und "Enterprise" vermochten.

Dieses Star Trek ist etwas Neues. Es präsentiert sich optisch wie inhaltlich als Kind seiner Zeit und hat die schwere Aufgabe, nicht nur das einst lukrative Franchise wieder zu neuem Erfolg zu führen - was schon schwer genug ist - sondern gleichzeitig, Altfans wieder mit ins Boot zu holen, ohne dabei eine Generation auszuklammern, deren Kenntnis von "Star Trek" allenfalls die Reboot-Filme von J. J. Abrams darstellen. Im Prinzip also die eierlegende Wollmilchsau.


Es ist das Jahr 2256. Rund zehn Jahre, bevor Captain Kirk und die Enterprise auf Fünf-Jahres-Mission in den Tiefenraum fliegen, untersucht die Crew des Raumschiffes Shenzou, das Asteroidenfeld rund um einen Doppelstern. Bei der Erforschung wird ein merkwürdiges Artefakt entdeckt. Der erste Offizier des Schiffes, eine junge Frau mit dem Namen Michael Burnham, macht sich in einem Raumanzug auf, das seltsame Gebilde zu untersuchen. Wie sich herausstellt handelt es sich um das Raumschiff des religiösen Sektenführers T'Kuvma. Diesen unglücklichen Erstkontakt, in welchem Burnharm einen Klingonen tötet, nimmt T'Kuvma zum Anlasse, die 24 zerstrittenen Häuser der Klingonen für einen Krieg gegen die Förderation zu einen ...


War diese Umgestaltung wirklich nötig?

Die ersten beiden Episoden lassen mich mit gemischten Gefühlen zurück.
"Star Trek: Discovery" spielt zeitlich zwar nur ein Jahrzehnt vor der Originalserie "Star Trek (aka 'Raumschiff Enterprise')", unterscheidet sich optisch jedoch gewaltig von dem bisherigen Star Trek Look. Natürlich will heute keiner mehr die Pappkulissen aus den Sechzigern sehen, eine Modernisierung war also nicht nur ein notwendiges Übel, sondern ein Muss. Es stellt sich nur die Frage warum ein derart einprägsames Aussehen wie das der Klingonen so massiv verändern musste. Diese stolze Kriegerrasse hatte seit der Ära der Kinofilme (also seit 1979) ein sehr charakteristisches Aussehen, dass sich am ehesten mit 'Mongolen mit Stirnwülsten' beschreiben lassen kann und welches über die Jahre eigentlich nur verfeinert wurde. Ob eine derart massive Umgestaltung wirklich notwendig war, ist fraglich. Etwas besser sieht es bei der Sternenflotte - namentlich der Shenzou und dem Brückeninterieur aus - aber auch hier entfernt man sich teilweise unnötig weit von der Originalserie. Alles in allem haben es die J. J. Abrams - Filme in Sachen Optik besser gemacht. Über der gesamten Inszenierung, die durchaus eine Stange Geld gekostet haben dürfte, liegt eine künstliche Sterilität, die wohl aber heutzutage bei SF- und Fantasyproduktionen Usus ist.


Hauptcharaktere des Piloten: Lt. Saru, Cmdr. Michael Burnham und Captain Georgiou

Das war nun die Optik und daran stören dürften sich vor allem Altfans wie ich. Einem neuen Zuschauer dürfte es herzlich egal sein, ob die Klingonen massiv umgestaltet wurden. Lassen wir die Kosmetik also beiseite, und kommen zu den wirklich wichtigen Sachen: Story und Charaktere. Und hier sieht es schon besser aus, wenngleich auch nicht perfekt. Michael Burnham, der weibliche Hauptcharakter mit dem ungewöhnlich männlich klingenden Namen, wird gut eingeführt. Ihr Hintergrund, als menschliches Kind nach einem Klingonenangriff von Vulkaniern aufgezogen zu werden, wurde gut herausgearbeitet. Das erlittene Trauma als Kind scheint sie trotz vulkanischer (Sarek) und menschlicher (Georgiou) Mentoren nicht überwunden zu haben. Anders lässt sich das etwas fragwürdige Vorgehen von ihr in der Krisensituation nicht erklären. Im Gesamten liefert Darstellerin Sonequa Martin-Green eine gute Vorstellung ab.

Michelle Yeoh, die wir vermutlich in Flashbacks in weiteren Episoden der Serie zu sehen bekommen, gefällt fast uneingeschränkt. Sie vermittelt eine Mischung aus Würde, Menschlichkeit und Autorität und weckt damit Erinnerungen an die vergangenen Captains Picard und Janeway, welche ebenfalls diese Charakterzüge aufwiesen. Ansonsten bleiben alle Charaktere irgendwie blass. Doug Jones verleiht Lt. Saru in seinen wenigen Szenen aber Charisma, und man möchte mehr über ihn erfahren, aber gerade T'Kuvma wirkt wie der typisch verblendete Sektenanführer. Von den restlichen Charakteren wüsste ich ohne Casting-Liste nicht, ob sie in einer der folgenden Episoden noch eine Rolle spielen, oder reine Besatzungsstatisten waren. Hier ist also ordentlich Aufholbedarf.

Kommen wir nun zum Herzen der beiden Episoden: Der Story. Insgesamt sind die beiden Folgen kein klassischer Pilotfilm, sondern eher ein Prolog zu den 13 folgenden Episoden. Eine ziemlich lange Exposition, sozusagen. Und das ist auch der Knackpunkt. Es passiert auf den ersten Blick viel, und dennoch gibt es wenig Handlung: Klingonenschiff entdeckt, misslungener Erstkontakt, große Schlacht, BummBumm - Ende. Dafür sehen wir viele Flashbacks aus dem Leben der Protagonistin Michael und des Antagonisten T'Kuvma. Im Hinblick darauf, dass wir es wohl mit einer staffellangen Geschichte zu tun haben und gerade mal etwas mehr als ein Zehntel gesehen haben, wird das - durchaus vorhandene Potential - hoffentlich besser genutzt.


Auf ins Unbekannte

Fazit: Restlose Begeisterung hört sich anders an. "Star Trek: Discovery" hat das Potential zu einer guten Serie, konnte das in meinen Augen aber in den ersten beiden Episoden noch nicht so recht zeigen. Daher nur 3 Sterne, verbunden mit Hoffnung auf Besserung.


Zitat

Ich glaube, einer der Gründe, weshalb Steven Spielberg und ich so erfolgreich gewesen sind, ist der, dass wir Filme mögen. Wir gehen gerne ins Kino. Wir mögen Filme, und wir wollen Filme machen, die denen ähneln, die wir selbst mögen. Wir wollen die Zuschauer unterhalten. Wir wollen sie überraschen, sie umhauen. Wir wollen, dass sie das Kino verlassen und sagen: "Wow, das war phantastisch, das hat mich wirklich bewegt." Darin liegt der ganze Spaß.
  - George Lucas



 
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